Aufbau, Einsatzbereiche und typische Spannungsniveaus

Mittelspannung meint Werte zwischen ca. 10 kV und 60 kV. Diese treten hauptsächlich in Verteilnetzen auf. In Deutschland arbeiten Mittelspannungsnetze (MS-Netze) normalerweise mit 10 kV, 20 kV oder 30 kV. Sie werden in Umspannwerken über Transformatoren aus Hochspannungsnetzen (z. B. mit 110 kV) gespeist. Typischerweise nutzt man MS-Netze in Städten als Verteilnetze in Form von Ringleitungen mit Erdkabeln. Auch weitere Ortschaften können, wenn die Distanzen nicht zu groß sind, über den mittleren Spannungsbereich angeschlossen werden. Für den überregionalen Stromaustausch wird Hochspannung genutzt. MS-Netze arbeiten üblicherweise mit dreiphasigem Drehstrom. Auch Bahnstrom arbeitet in diesem Bereich, zum Beispiel mit 15 kV als einphasige Fahrleitungsspannung.

Relevanz für Unternehmen

Darum ist ein Anschluss an den mittleren Spannungsbereich relevant

Mittelspannung ist für energieintensive oder wachsende Unternehmen sowie für solche mit eigener Stromerzeugung unverzichtbar. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Produktionsbetriebe, große Rechenzentren, Krankenhäuser, Logistikzentren, Hotels und Einkaufszentren. Die richtige Planung und Nutzung kann erhebliche Kostenvorteile und strategische Chancen bieten.

Wichtige Faktoren:

Leistungsgrenze und Anschlussgröße

Ab ca. 135-150 kW Leistungsbedarf ist ein Anschluss an die Mittelspannung erforderlich

Eigene Stromerzeugung

Unternehmen mit Photovoltaik-Anlagen >30 kWp oder Windkraftanlagen speisen meist ins MS-Netz ein

Kostenfaktor Netzentgelte

Kunden von Mittelspannung zahlen oft günstigere Netzentgelte als Niederspannungskunden

Elektromobilität im Gewerbe

Schnellladestationen mit hoher Leistung benötigen einen Anschluss für Mittelspannung

Versorgungssicherheit

Anschlüsse an den mittleren Spannungsbereich bieten in der Regel höhere Versorgungssicherheit

Energiewende-Chancen

Möglichkeit zur Teilnahme an Flexibilitätsmärkten

Mittelspannung verstehen: Aufgaben und Einsatzbereiche

Mittelspannung für erneuerbare Energien

Der mittlere Spannungsbereich spielt eine Schlüsselrolle bei der Integration erneuerbarer Energien in Deutschland. Im Jahr 2024 stammten erstmals fast 60 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Im dritten Quartal 2025 erreichten sie einen Anteil von 64,1 Prozent der inländischen Stromerzeugung. Die Mittelspannung ist dabei das entscheidende Bindeglied, das dezentrale Erzeugungsanlagen mit dem übergeordneten Stromnetz verbindet. Auch die meisten Windparks und Solarparks speisen ihren Strom direkt in das MS-Netz ein. Bei Windkraftanlagen erfolgt die Anbindung über einen Transformator, der die Niederspannung auf Mittelspannung hochtransformiert.

Der Netzanschluss

Ein erhebliches Nadelöhr

Mittelspannung verstehen: Aufgaben und Einsatzbereiche

Der Netzanschluss stellt aktuell ein erhebliches Nadelöhr beim Ausbau erneuerbarer Energien dar. Während kleine Anlagen meist direkt an das Niederspannungsnetz angeschlossen werden, benötigen größere Anlagen ab etwa 135 kW einen Zugang zum MS-Netz.

Im dritten Quartal 2025 stieg die Stromerzeugung aus Windkraft um 10,5 Prozent, während Photovoltaik um 3,2 Prozent zulegte. All diese Anlagen müssen fachgerecht angeschlossen werden. Die Herausforderung ist gewaltig, denn das Netz muss nicht nur erweitert, sondern auch intelligent modernisiert werden (Smart Grid). Jede neue Wind- oder Solaranlage benötigt einen leistungsfähigen Anschluss. Die Anforderungen sind also gänzlich anders als im bisherigen System mit zentralen Großkraftwerken.

Innovative Lösungen für das Stromnetz

Überbauung, Speicherintegration und effiziente Nutzung von Netzkapazitäten

Mittelspannung verstehen: Aufgaben und Einsatzbereiche

Mit dem Solarspitzengesetz wurde im Februar 2025 in § 8a EEG 2023 [SO1] eine Regelung zur flexiblen Gestaltung von Netzanschlussvereinbarungen eingefügt. Dies erweitert den Handlungsspielraum für Anschlussnehmer und Netzbetreiber deutlich. Künftig dürfen beispielsweise Photovoltaikanlagen und Speicher an einem Netzanschlusspunkt angeschlossen werden, auch wenn die vorhandene Anschlusskapazität für die kumulierte Leistung beider Einrichtungen nicht ausgereicht hätte.

Die gemeinsame Nutzung eines Netzanschlusses durch verschiedene erneuerbare Energiequellen nutzt also vorhandene Netzkapazitäten effizienter aus, da Wind- und Solarenergie sich ergänzen. Windkraft liefert oft im Winter und nachts mehr Strom, während Photovoltaik im Sommer und tagsüber ihre Stärken hat.

Auch Batteriespeicher werden zunehmend direkt im Mittelspannungsnetz installiert. Die installierte Batterieleistung stieg 2024 auf 12,1 GW, um Lastspitzen zu kappen und die schwankende Erzeugung aus Wind und Sonne auszugleichen. In Kombination mit der Überbauung können Speicher überschüssigen Strom aufnehmen und so die Netzstabilität weiter verbessern.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Mittelspannung ist das Rückgrat der dezentralen Energiewende in Deutschland. Sie verbindet Windparks, Solaranlagen und Batteriespeicher mit dem übergeordneten Stromnetz und ermöglicht so die Integration erneuerbarer Energien. Nur durch konsequenten Netzausbau, innovative Lösungen und intelligente Steuerungssysteme kann die Energiewende gelingen. Die Mittelspannung ist damit nicht nur eine technische Spannungsebene, sondern der Schlüssel zu einer nachhaltigen, klimaneutralen Energieversorgung.

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