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Das haben wir doch schon immer so gemacht

Deutschland rettete lieber den Diesel, statt in E-Autos zu investieren. Bei der Energiewende droht derselbe Fehler. Wann lernen wir endlich dazu?

Das haben wir doch schon immer so gemacht
Wer krampfhaft an Bestehendem festhält, verpasst die Chance zur Weiterentwicklung. Das klingt banal, ist aber genau der Fehler, der uns in Deutschland immer wieder teuer zu stehen kommt. Er kostet Wohlstand und wenn wir auf die Energiewende schauen, kostet er zusätzlich die Lebensqualität zukünftiger Generationen.

Vertraut ist nicht dasselbe wie zukunftsfähig

Ein klassisches Beispiel, das vermutlich jeder kennt, ist das Faxgerät. Es ist das Sinnbild für eine verschleppte Digitalisierung. Im Bereich der Automobilindustrie ist der Verbrenner der Beleg für verpasste Chancen. Als die Antriebswende kam, wurde lieber die alte Technologie „gerettet" als in die neue investiert. Das Ergebnis ist heute eindeutig: Die Technologieführerschaft in der Automobilproduktion, die wir für unverhandelbar hielten, ist zu denen abgewandert, die früher investiert haben. Das kostet Arbeitsplätze und vieles mehr – und zwar dauerhaft. Auch das Ziel der CO2-Neutralität ist dadurch wesentlich schwerer zu erreichen.

Der gleiche Fehler passiert gerade bei der Energiewende

Eigentlich gibt es im Bereich der Energiewende gute Nachrichten. 2025 stammten rund 55 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien. Bis 2030 sollen es 80 Prozent werden. Und auch im Bereich Wärme und Verkehr stieg der Anteil weiter an. Wind und Sonne liefern heute den günstigsten Strom, den es je gab.
ABER: Während der grüne Strom billiger wird, bleiben die Kosten drumherum hoch, weil wir den Netzausbau verschlafen haben und die fehlende Flexibilität beim Einspeisen Potenzial verschenkt. Im europäischen Vergleich hat Deutschland mit die höchsten Endverbraucherpreise. Das schwächt die Wirtschaft und schadet der Wettbewerbsfähigkeit massiv. Der ab 2026 eingeführte Industriestrompreis lindert die Symptome für einige Tausend energieintensive Unternehmen, behebt aber nicht die Ursache: Wir haben ein Netz, das dem Tempo der Erzeugung hinterherhinkt. Und was tun wir dagegen? Bundeswirtschaftsministerin Reiche setzt auf fossile Energien. Was soll man dazu noch sagen?

Ein Weckruf: Nutzt die Chancen, die die Energiewende bietet

Weil die Politik mal wieder alles verschläft, muss die Wirtschaft die Energiewende selbst in die Hand nehmen. Wer heute auf grünen Strom, eigene Erzeugung, Speicher und flexible Lastführung setzt, macht sich unabhängiger von Preisspitzen und von einer Politik, die nur noch nachsteuert. Die Firmen, die zuerst umsteigen, stehen später auf der richtigen Seite der Rechnung.